Wenn ein Autofahrer nach rechts greift, um zu schalten und im Handschuhfach landet, befindet er sich in einem Land mit Linksverkehr. Und es sind beileibe nicht nur die Briten, die aus kontinentaleuropäischer Sicht auf der falschen Seite fahren. In etwa 60 Ländern der Welt herrscht Linksverkehr. Warum eigentlich?
Fast alle Erklärungen führen zurück auf die Tatsache, dass mehr als 90 Prozent der Menschen Rechtshänder sind, also Waffen oder Kutschpeitschen mit der rechten Hand führten. Schon in der Antike gab es Linksverkehr. Darauf deutet beispielsweise ein Fund aus der Zeit zwischen 50 vor und 50 nach Christus: Auf der römischen Münze reiten zwei Reiter an der rechten Schulter aneinander vorbei – Linksverkehr!
Wenn sich Bewaffnete auf der Straße begegneten, war es besser, auf der jeweils linken Straßenseite aneinander vorbeizugehen. So war der rechte Arm frei, um im Falle eines Angriffs die Waffe ziehen zu können – oder sich freundschaftlich mit der Rechten zu begrüßen. Das Heben der freien rechten Hand als Friedensgruß bedeutete: Schau, ich bin unbewaffnet! Da Rechtshänder das Schwert auf der linken Seite tragen, stiegen bewaffnete Ritter von links aufs Pferd. Auch das würde den Linksverkehr erklären: Das Pferd steht, bereit zum Aufsteigen, am linken Straßenrand. Bei Rechtsverkehr müsste der Reiter mitten auf der Straße aufsteigen – ein Problem, mit dem übrigens heutzutage die Radfahrer in Ländern mit Rechtsverkehr zu kämpfen haben.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein wechselten Links- und Rechtsverkehr von Stadt zu Stadt. Das änderte sich mit der Französischen Revolution: Unter der Herrschaft von Robespierre wurde der Rechtsverkehr in Paris eingeführt. Zu jener Zeit dominierten in Frankreich wahrscheinlich die berittenen Gespanne, bei denen der Fuhrmann auf dem hintersten linken Tier ritt, um die anderen Pferde mit seiner Peitsche lenken zu können; die bevorzugte Straßenseite für diese Fuhrwerke lag deshalb rechts.
Napoleon übernahm die Rechtsregelung für alle von ihm eroberten Gebiete. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft beließen es viele Länder dabei. Die Österreicher allerdings wurden sich nicht so schnell einig: Weite Teile kehrten zum Linksverkehr zurück; Tirol, Dalmatien und die Küstenländer blieben beim Rechtsverkehr. Spätere Versuche, eine einheitliche Regelung in die eine oder andere Richtung einzuführen, scheiterten. Adolf Hitler legte nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland den Rechtsverkehr in seinem Geburtsland fest.
In Ländern wie England, Irland, Japan, Australien oder Südafrika heißt es daher nach wie vor für Rechtsfahrer: Aufpassen.