1933 erklärten die Nationalsozialisten Helene Weber für „politisch unzuverlässig“ und entließen sie aus dem Staatsdienst. 15 Jahre später gehörte sie zu den vier Frauen, die im Parlamentarischen Rat an den Grundlagen der Bundesrepublik mitwirkten.
Die „Mütter des Grundgesetzes“ waren vier Frauen, die 1948 neben 61 Männern im Parlamentarischen Rat die demokratischen Grundlagen für die Bundesrepublik legten. Helene Weber, damals 67 Jahre alt, brachte jahrzehntelange politische Erfahrungen mit. Sie gehörte zu den wenigen weiblichen Parlamentsabgeordneten in der Weimarer Republik und zu den führenden Persönlichkeiten der katholischen Frauenbewegung.
Geboren wurde Helene Weber am 17. März 1881 in Wuppertal-Elberfeld. Ihr Vater arbeitete als Lehrer und war Vorsitzender der Zentrumspartei in Elberfeld. Er ermutigte seine Tochter, die Zweitälteste von sechs Kindern, sich für politische und soziale Belange zu interessieren. Noch bevor die preußische Regierung, zu der auch das Bergische Land gehörte, 1908 das Frauenstudium erlaubte, ergriff Helene Weber ihre Chancen. Ab 1905 studierte sie Geschichte, Philosophie, Romanistik und Sozialpolitik in Bonn und Grenoble. 1909 erhielt sie die Lehrbefähigung für mittlere und höhere Schulen.
Sie arbeitete in Bochum, dann in Köln. Dort lernte die überzeugte Katholikin den noch jungen Katholischen Deutschen Frauenbund kennen. Hier fand sie ein Forum, um sich auf Grundlage ihrer christlichen Überzeugungen für Frauen und Demokratie einzusetzen. Ihr Anliegen: Frauen zu bilden und sie für Kirche, Politik und Gesellschaft zu engagieren. Daher setzte sich Weber dafür ein, eine entsprechende Schule zu gründen. Als der Frauenbund 1916 die Soziale Frauenschule in Köln eröffnete, übernahm Helene Weber die Leitung.
Dem Willen der Partei gebeugt
Im patriarchalischen Kaiserreich prangerte Helene Weber an, dass Frauen das Wahlrecht verwehrt blieb. Sie tat das vergeblich, ebenso wie andere Protagonistinnen der bürgerlichen und sozialdemokratischen Frauenbewegung. Erst die Katastrophe des Ersten Weltkriegs bewirkte einen Umbruch. Frauen übernahmen die Arbeit von Männern an der Front sowie Schlüsselpositionen in der Wohlfahrt. Und demonstrierten auf diese Weise, Frauen angebliche Männerarbeit gleichwertig erfüllen konnten. Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs wurde am 19. Januar 1919 eine verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt, in allgemeiner, unmittelbarer und geheimer Wahl.
300 Frauen kandidierten, 37 von ihnen wurden gewählt, darunter Helene Weber als Abgeordnete des Zentrums. Insgesamt gab es 423 Abgeordnete. Von 1919 bis 1920 gehörte Weber der Weimarer Nationalversammlung an, von 1921 bis 1924 dem preußischen Landtag. Zwischen 1924 und 1933 war sie Mitglied des Reichstags. Am 30. Juni 1933 verboten ihr die Nationalsozialisten alle politischen Aktivitäten. Die durch und durch katholische Weber lehnte die NS-Ideologie ab – ebenso wie zunächst deren Ermächtigungsgesetz. Bei einer Probeabstimmung des Zentrums stimmte sie mit elf anderen Fraktionsmitgliedern dagegen. Bei der Abstimmung in der Krolloper beugte sie sich jedoch am 23. März 1933 dem Mehrheitsbeschluss in ihrer Partei.
Dafür prägte Helene Weber nach dem Krieg aus die politische Landschaft der jungen Bundesrepublik mit: Mitglied des Landtags in NRW für die CDU (1946), Mitglied im Parlamentarischen Rat (1948–1949), Mitglied des Bundestags (1949–1962). Im Parlamentarischen Rat setzte sie mit Elisabeth Selbert (SPD), Frieda Nadig (SPD) und Helene Wessel (Zentrum) durch, den Grundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz zu verankern.
Bild: Dr. Helene Weber war auch Vorsitzende des Müttergenesungswerkes, hier bei der Pressekonferenz mit Bundespräsident Theodor Heuss (Bundesarchiv, B 145 Bild-F006445-0024 / Fotograf: unbekannt, „Müttergenesungswerk bei Bundespräsident Heuss“, lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5449040)
Referenzen
- „Die Unzuverlässige“, aus der Reihe: Frauengeschichten von Anke Schwarze, in: Liboriusblatt Ausgabe 42/2012
- https://www.bundesrat.de/SharedDocs/texte/19/20190523-helene-weber-und-gg.html?view=renderNewsletterHtml
- https://www.helene-weber.de/files/uploads/helene-weber/Kollegtexte/Buettner_Die christliche Frau copy.pdf